Kind und Sehen bei Optik a. Toll. in Altentreptow

Auf Alarmzeichen achten!

Daher ist es sicher verständlich, dass Defizite der Sehentwicklung so früh wie möglich behandelt werden müssen. Wenn Sie eine der folgenden Beobachtungen bei Ihrem Baby oder Kleinkind entdecken, dann sollten Sie möglichst schnell handeln:

  • verschieden große Lidöffnungen oder Pupillen
  • auffallende Lichtscheu oder keine Reaktion auf Licht
  • häufiges Augenreiben
  • anhaltende Rötung der Augen
  • häufiges Tränen und Verkleben der Augen
  • getrübte Hornhaut oder grau-gelbe statt tief schwarze Pupille
  • Schielen
  • Augenzittern oder ständiges Bewegen eines der Augen
  • zwanghaftes Schiefhalten des Kopfes
  • Vorbeigreifen

Bei Vorschul- oder Schulkindern werden folgende Auffälligkeiten häufig beobachtet: 

In der Schule

Lese-, Rechtschreib- und Rechenprobleme, große Neigung zu Flüchtigkeitsfehlern, schlechte Handschrift, Konzentrationsschwierigkeiten, Lernunlust, geringe Belastbarkeit und ähnliches mehr. Macht Fehler beim Abschreiben oder kurzzeitiges Doppelsehen beim Lesen. Die Schrift kann flimmern oder die Buchstaben tanzen.

Körperbeherrschung

Gestörte Grobmotorik /Z.B. Ungeschicklichkeit beim Ballspielen, Fahrradfahren, Treppensteigen) und mangelhafte Feinmotorik (Z.B. beim Malen, Ausmalen, Ausschneiden). Er sitzt beim Lesen schief oder hält den Kopf schief.

Anstrengungszeichen

Kopfschmerzen (in den ersten vier Lebensjahren eher Bauchschmerzen), Augenschmerzen, Augenbrennen, Augentränen, Augenblinzeln, Schwindel, Übelkeit, schnelles Ermüden beim Lesen und Schreiben – auch bei vorhandener Brille und guter Sehschärfe. Das Kind hat Schmerzen oder Druckgefühl um die Augen nach dem Lesen.

Verhaltensauffälligkeiten

Vergleichbare Verhaltenssymptomatik wie bei AD(H)S (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit/ohne Hyperaktivität).

Amblyopie

Amblyopie oder auch stumpfes Auge genannt ist eine sehr verbreitete Sehstörung, von der ein Auge oder seltener beide Augen betroffen werden können. Verursacht wird diese durch eine unzureichende Ausbildung des Sehapparts in der Kindheit. Diese Verschlechterung der Sehfähigkeit lässt sich nur teilweise durch organische Fehler erklären. Bei unzureichender Behandlung erfolgt eine kontinuierliche Verschlechterung des schwachen Auges. Das Gehirn neigt dazu, das unterentwickelte Auge einfach „auszuschalten“.

Amblyopie kann wenn schon frühzeitig behandelt, gut korrigiert werden. Das Gehirn befindet sich noch im Entwicklungsstadium und ist mit dem Aufbau neuer Nervenverbindungen beschäftigt.

Eine Amblyopie wird wahrscheinlich durch ein entweder weit- oder kurzsichtiges Auge verursacht. Eventuell wird auch eines der Augen in die Augenhöhle gezogen. Um ein verschwommenes oder doppeltes Sehen zu vermeiden neigt das Gehirn des Betroffenen dazu, das schwächere Auge einfach zu ignorieren, was zu einem permanenten Ausfall dieses Auges führen kann.

Das Abdecken des gesunden Auges ist die beste Methode zur Korrektur dieser Sehschwäche; während das gesunde Auge funktionsunfähig gemacht wird, ist das Gehirn dazu gezwungen, das schwache Auge zum Erkennen von Objekten einzusetzen und somit den einen stärkeren Augenapparat aufzubauen. Diese Methode hat sich als sehr erfolgreich herausgestellt. Wird Amblyopie nicht bereits im Frühstadium behandelt, sind lebenslange Folgeschäden annehmbar und unvermeidlich.

Das Abdecken des gesunden Auges zwingt das Gehirn dazu, das schwächere Auge arbeiten zu lassen.

Der einfache Schnell-Sehtest

Wie kann ich testen, ob mein Kind ein visuelles Problem hat?

Visuelle Probleme lassen sich wirklich sicher nur durch den Fachmann erkennen und einordnen bzw. ausschließen. Oftmals äußern sich diese Probleme, wie oben aufgeführt, nicht in erster Linie durch eine schlechte Sehschärfe, sondern nur in den „Folgeerscheinungen“.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind nicht optimal sieht, sollten Sie auf jeden Fall einen der o.g. Fachleute zu Rate ziehen. Nur diese können auch kleinere Abweichungen aufdecken, die die gesamte Sehentwicklung Ihres Kindes negativ beeinflussen können.

Allerdings gibt es Möglichkeiten, wie Eltern selbst einen groben Sehtest durchführen können, um größere visuelle Probleme zu erkennen. Die auf der nächsten Seite folgenden Teste können natürlich nur einen groben Anhalt geben.

Der einfachste Schnellsehtest…

…für Schulkinder (und auch Erwachsene) ist das Lesen von Autonummern:

Wer kann eine Autonummer bei Tageslicht auf eine Distanz von etwa 35-40m (das heißt etwa acht Autolängen) mit jedem Auge einzeln lesen?

Ist das Nummernschild nicht oder nur schwer zu lesen, sollten die Augen auf jeden Fall von einem Fachmann getestet werden.

Fehlsichtigkeiten bei Kindern

(Winkel-) Fehlsichtigkeit bei Kindern – Veränderung – Wachstum – Glaswechsel

Wie oft kommen Fehlsichtigkeiten bei Kindern vor?

Genauso wie bei Erwachsenen haben 70 – 80% der Kinder eine Längenfehlsichtigkeit.
Wenn die Baulänge des Auges nicht genau mit der Brechkraft des Auges übereinstimmt, spricht man von einer Längenfehlsichtigkeit. Bei den Kindern ist der Anteil der Weitsichtigen (Hyperopen) gegenüber den Erwachsenen deutlich erhöht. Die Hyperopie reduziert sich im Laufe des Wachstums.

Viele anfänglich hyperope Kinder sind am Ende der Schulzeit emmetrop (rechtsichtig) oder in zunehmendem Maße myop (kurzsichtig). Die Kurzsichtigkeitsentwicklung hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Über die Gründe dafür gibt es viele, zum Teil sehr widersprüchliche, Studien. Es scheint sich jedoch immer deutlicher abzuzeichnen, dass der vermehrte „Nahstress“ zu einer körpereigenen Adaptation führt. Es entsteht zuerst eine funktionale, bei anhaltender Belastung später eine strukturelle Kurzsichtigkeit.

Genauso wie die Baulänge des Auges mehrheitlich nicht mit der Brechkraft des Auges übereinstimmt, sind die meisten Augenpaare in der Ausrichtung ihrer Augenachsen nicht exakt abgestimmt.

Wenn die Augenachsen nicht genau parallel zu einander stehen, spricht man von einer Winkelfehlsichtigkeit.

Die Augenachsen sind bei 70 – 80% aller Menschen nicht exakt ausgerichtet.
Bei manchen Menschen ist der Fehler so groß, dass es sich dies in einer sichtbaren und dauerhaften Schielstellung eines Auges zeigt.

Bei anderen hingegen ist die Winkelabweichung der Augenachsen sehr klein, so dass die meisten Menschen diesen Fehler selbst kompensieren können, ohne dass eine Schielstellung offensichtlich wird. Dies ist mit einem erheblichen Energieaufwand verbunden und geht meist mit einer Verkrampfung der Augenmuskulatur einher. Solche Winkelfehlsichtigkeiten werden mit den üblichen Tests für das Erkennen und Klassifizieren des Schielens mehrheitlich nicht erkannt.

Ein durch Kompensationsarbeit verkrampftes Augenpaar zeigt meist schon in der Überprüfung der Augenbeweglichkeit leichte Auffälligkeiten, daher wird die Winkelfehlsichtigkeit auch als Augenkoordinationsstörung bezeichnet.
Augenkoordinationsstörungen stören das optimale Ablaufen der Lernprozesse.

Warum ändern sich bei Kindern die Brillengläser so häufig?

Kinder und Jugendliche befinden sich mitten im Wachstumsprozess. Genauso wie der ganze Körper ständig in seinen Dimensionen variiert, verändern sich auch die Größenverhältnisse aller Strukturen am Auge. Dies kann regelmäßig erfolgen aber häufig auch schubartig. Wird das Auge z.B. etwas länger so ist es sofort mehr kurzsichtig (oder wenn zuvor weitsichtig, etwas weniger weitsichtig).

Jedes einzelne Auge wird von sechs Muskeln in seiner Richtungseinstellung gesteuert, bei zwei Augen müssen also zwölf Muskeln abgestimmt aufeinander tätig werden. Es ist sehr einfach vorzustellen, wie schnell eine Veränderung in der Ausrichtung entstehen kann. Bei einem Wachstumsschub muss nur ein Muskel etwas mehr oder weniger wachsen als er sollte, und schon stimmt die Ausrichtung der Augen nicht mehr genau.
Viele Kinder und Jugendliche können solche Abweichung trotz der zusätzlichen Steuerungsarbeit sehr gut selbst kompensieren. Ungefähr 20% der Kinder haben aber große Muhe diese anstrengende Einstellarbeit zu bewältigen.

Warum ändern sich Prismengläser bei Winkelfehlsichtigkeit?

Wenn eine geringe Abweichung in der Augenstellung vorliegt, wird jeder Mensch zuerst einmal versuchen diese Abweichung durch Muskelarbeit selbst so gut wie möglich auszugleichen. Eine ständig anhaltende, gleich ausgerichtete Anspannung der Augenmuskeln führt mit der Zeit unweigerlich zu einer Verkrampfung dieser Muskulatur.
Wird nur eine kurze objektive Messung gemacht, ohne diese Muskeln vorher zu entspannen, kann nur der nicht kompensierte Anteil der Abweichung gemessen werden.

Bei der Messung der Winkelfehlsichtigkeit nach MKH (Mess- und Korrektionsmethodik nach Haase) wird mit einer Abfolge definierter Tests eine bestehende Verkrampfung so gut wie möglich gelöst. Leider ist auch diese Methodik nicht in der Lage, jegliche Kompensationsverkrampfung sofort aufzuheben.
Der jeweils gemessene Wert ist also vorerst nur ein Teilwert der eigentlichen Abweichung. Erst wenn sämtliche Kompensationsmechanismen und Verkrampfungen aufgelöst sind und kein Wachstum mehr besteht, kann mit einem stabilen Messwert gerechnet werden.

Die Korrektion der Winkelfehlsichtigkeit erfolgt jeweils in Etappen. Leider weiß niemand im Voraus, wann jeweils eine nächste Entspannung stattfindet.
Aus diesen Gründen müssen sich alle Betroffenen im Klaren darüber sein, dass bei Kindern jederzeit eine Änderung der Korrektion durch Wachstum oder Entspannung und bei Erwachsenen durch Entspannung erfolgen kann.

Sind Fehlsichtigkeiten angeboren?

Jeder Mensch ist individuell. Keiner ist ein exaktes Abbild eines Anderen. Also haben alle ganz unterschiedliche Merkmale und Eigenschaften. Diese sind uns angeboren. Einige Menschen haben bei der Geburt größere Abweichungen als es die Norm ist. Fehlsichtigkeiten können vererbt sein oder im Laufe des Wachstums entstehen.

Das Sehen entwickelt sich in unterschiedlichen Stufen. Das Zusammenspiel der Augen ist bei der Geburt noch nicht vorhanden. Es entwickelt sich in den ersten Lebensmonaten. Einige Arten des manifesten Schielens werden von der Schulmedizin als angeboren eingestuft. Winkelfehlsichtigkeiten sind nicht angeboren.

Was ist Schielen?

Der Begriff des Schielens wird von Laien und von Mediziner in sehr unterschiedlicher Weise gebraucht. Zur Verdeutlichung lesen Sie hier die Definition des Schielens laut medizinischer Fachliteratur:

Manifestes Schielen (Strabismus):

Manifeste Abweichung eines Auges von der geforderten Blickrichtung. Die Gesichtslinien beider Augen sind nicht auf ein Fixierobjekt gerichtet.

(Gesichtslinie: Gerade zwischen Fixierobjekt und der Foveola, der Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut.)

Es wird weiter unterschieden in Lähmungsschielen (Strabismus incomitans) und Nicht-Lähmungsschielen (Strabismus concomitans).

Strabismus incomitans:

Einschränkung der einäugigen Beweglichkeit.
Es bestehen Doppelbilder u. Kopfzwangshaltung

Strabismus concomitans:

Jedes Auge weitgehend frei beweglich, der Schielwinkel ist häufig in verschiedenen Blickrichtungen unterschiedlich groß.

Für mehr Informationen können Sie sich das PDF für "Hinweise auf Funktionsminderung" hier herunterladen.

Quelle:
Thieme Verlag, Augenheilkunde, Checkliste der aktuellen Medizin, A. Burk, R. Burk

Wann sollten die Kinder-Augen kontrolliert werden?
  • U7a mit dem 34-36 Lebensmonat
  • Schuleingangsuntersuchung
  • Führerscheinsehtest
Kontaktlinsen für Kinderaugen

Kids haben‘s drauf: Auch brillenfrei kein Problem

Wussten Sie eigentlich, dass auch Kinder Kontaktlinsen tragen können?!

Meist gehen sie sogar gründlicher und sorgsamer mit den kleinen Sehhilfen um als Erwachsene.

Toben auf dem Spielplatz, Skaten mit den Kumpels oder das erste Date – für Kinder und Teenager hat es durchaus Vorteile, in manchen Situationen den “Kopf frei zu haben“. Dann sind Kontaktlinsen eine praktische Alternative zur Brille. Berührungsängste mit den unsichtbaren Sehhelfern sind unbegründet. Studien haben gezeigt, dass Kids und Teens ohne Bedenken Linsen tragen können. Damit die Kinderaugen von heute auch im Erwachsenenalter gesund in die Welt blicken, sind Anpassung und regelmäßige Nachkontrolle Pflicht – wie für die Großen auch.

Anders als beim Wählen oder Autofahren gibt es für das Tragen von Kontaktlinsen kein Mindestalter. Wenn ein Kind reif genug ist, um verantwortungsbewusst mit ihnen umzugehen, spricht nichts gegen die kleinen Sehhelfer. Eltern können also unbesorgt zustimmen. Eine groß angelegte Studie zur Augengesundheit von Linsenträgern ergab, dass nur drei Prozent der Kinder zwischen 8 und 13 Jahren Probleme mit Kontaktlinsen hatte. Damit war ihr Anteil genau so niedrig wie der von erwachsenen Linsenträgern.

Den “Linsen-Führerschein“ gibt es vom Kontaktlinsen-Anpasser. Er wählt das passende Modell anhand der individuellen Eigenschaften des Kinderauges aus. Die Entscheidung für formstabile (harte) oder weiche Linsen richtet sich auch danach, wie oft und zu welchen Anlässen sie zum Einsatz kommen. Darüber hinaus erfahren Kontaktlinsen-Anfänger, wie sie die Sehhelfer aufs Auge bekommen, wie lange sie dort verbleiben dürfen und wie sie richtig gereinigt und gepflegt werden. Ein regelmäßiger Qualitätscheck beim Anpasser garantiert, dass Augen, Linsen und Pflegemittel auch nach Wochen und Monaten noch optimal zusammenpassen.

Das Einsetzen der Kontaktlinsen ist im wahrsten Sinne des Wortes ein “Kinderspiel“ und dauert in der Regel nur wenige Sekunden. Auch die Reinigung und Pflege kann nach erfolgter Einweisung getrost in Kinderhände übergeben werden. Eltern kleinerer Kinder sollten aber, ähnlich wie beim Zähneputzen, ruhig ein Auge darauf haben, dass der Nachwuchs den “Putzplan“ für die Linsen auch einhält. Aktuelle Studien zeigen, dass Acht- bis Elfjährige genauso gut in der Lage sind, sich um ihre Kontaktlinsen zu kümmern wie Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren.

Nach erfolgreicher Proberunde gilt es dann, die “unsichtbare Brille“ im bewegten Alltag zu testen. Bei vielen Freizeitaktivitäten sind Kontaktlinsen ein praktisches und vor allem sicheres Mittel zur Sehkorrektur. Nichts verrutscht auf der Nase, fällt herunter oder zerbricht. Gerade für sportlich aktive Kinder sind daher weiche Linsen sehr gut geeignet, vorausgesetzt, sie passen in Form, Material und Größe zu den Augen.

Die Brille ist zwar inzwischen ein angesagtes modisches Accessoire. Doch gerade im Teenager-Alter tut sich so mancher Heranwachsender schwer mit der äußerlichen Veränderung. In diesem Fall entfalten Kontaktlinsen auch psychologische Wirkung. Dennoch gilt: Wer Linsen trägt, trägt immer auch Brille. Am Ende eines langen Schul-, Spiel- und Sporttages ist es sinnvoll, Augen und Kontaktlinsen eine Pause zu gönnen.

Legasthenie oder LRS

Liegt bei diagnostizierter Legasthenie oder einer „kleineren“ Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) auch ein visuelles Problem vor, wird es diesen Kindern dadurch zusätzlich erschwert, sich zu konzentrieren und aufmerksam zu sein.

Daher sollte bei Kindern mit Legasthenie oder LRS auf jeden Fall auch eine eingehende Überprüfung sämtlicher Sehfunktionen bei einem spezialisierten Augenarzt oder Kinder-Optometristen erfolgen.

Legasthenie, Dyskalkulie und Sehvermögen

Die Legasthenie ist eine umschriebene Lese-Rechtschreibstörung, die weder auf eine Seh- oder Hörstörung, noch durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder auf unzureichenden Unterricht zurück geführt werden kann. (Def. WHO) Charakteristisch ist eine deutliche Verlangsamung der Lesegeschwindigkeit bzw. eine erheblich höhere Anzahl von Rechtschreibfehlern.
Unter Dyskalkulie (Rechenstörung) versteht man die Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, ebenfalls ohne ursächliche Seh- und Hörstörung, Intelligenzminderung oder unzureichenden Unterricht.
Als Teilleistungsschwäche werden alle Störungen zusammengefasst, die das Erlernen des Lesens, des Rechtschreibens und des Rechnens erschweren. Eingeschlossen sind z. B. Störungen infolge von Sehschwächen, Schwerhörigkeit, geistiger Behinderung und unzureichendem Unterricht.

Ursachen und Diagnose sind noch nicht vollständig geklärt. Lese- Rechtschreib- und Rechenschwächen können durch genetische Veranlagung, durch frühkindlich erworbene Hirnfunktionsstörungen sowie durch schulische, soziokulturelle und emotionale Faktoren verursacht sein. Die Schwierigkeiten können also vielfältige Ursachen haben. Die Diagnosestellung einer Legasthenie/Dyskalkulie sollte immer interdisziplinär erfolgen. Testverfahren, die in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Lerntherapie angewandt werden, können Aufschluss über das Ausmaß einer Lese- und Rechtschreibstörung/Rechenstörung geben. Gleichzeitig sollte auch im augenärztlich/orthoptischen Fachbereich eine Untersuchung zur Funktionsfähigkeit der Augen vorgenommen werden. Dadurch können Störungen der Bildaufnahme im Auge festgestellt oder ausgeschlossen werden, die die Verarbeitung im Gehirn und das Erlernen des Lesens, Schreibens und Rechnens erschweren. Zur Augenuntersuchung gehört der Ausschluss oder Nachweis von Fehlsichtigkeiten, wie z. B. Weitsichtigkeit (Hyperopie), Kurzsichtigkeit (Myopie) oder Stabsichtigkeit (Astigmatismus), die korrigiert werden müssen.

In der augenärztlich-orthoptischen Praxis werden die Sehschärfe für Ferne und Nähe, die Stellung und Beweglichkeit der Augen, die Zusammenarbeit beider Augen, die Fähigkeit zur Naheinstellung (sog. Akkommodation), mögliche krankhafte Veränderungen des Auges und der Sehbahn sowie der optische Brechungszustand untersucht. Dieser kann weitgehend unabhängig vom Alter und von der Mitarbeit des Kindes sicher erkannt und ausgeschlossen werden. Eine Korrektur der Fehlsichtigkeit durch eine Brille ist so wichtig, weil bei einer tatsächlich vorliegenden Lese- Rechtschreibschwäche/Rechenschwäche die optischen Voraussetzungen für die Weiterverarbeitung des Sehreizes optimal sein müssen, damit für das betroffene Kind ein scharfes und anstrengungsfreies Sehen ermöglicht wird. Sehbedingte Anstrengungsbeschwerden sind vieldeutig. Herauszufinden, ob sie durch eine Fehlsichtigkeit, Störung der Naheinstellung der Augenlinse oder Fehlstellung der Augen (z. B. verstecktes/manifestes Schielen) bedingt sind, wie auch die Behandlung dieser Störungen sind komplexe augenärztlich-orthoptische Aufgaben.

Die augenärztlich/orthoptische Behandlung:

Zur korrekten Ausmessung einer vermuteten Fehlsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen gehört das Verabreichen von Augentropfen, die eine Entspannung der inneren Augenmuskulatur (des sog. Ziliarmuskels) und zusätzlich eine Erweiterung der Pupille bewirken. Diese Tropfen dürfen nur bei medizinischer Indikation angewandt werden und sind daher nur in der augenärztlich-orthoptischen Praxis zu verabreichen. Bei dieser Untersuchung wird zusätzlich das Innere des Auges auf Auffälligkeiten der Netzhaut und des Sehnervenkopfes untersucht.

So können auch seltene Krankheiten des Auges, die nicht sofort und ohne eine augenfachärztliche Ausrüstung erkannt werden, ausgeschlossen werden. Mit der Korrektion aller durch die Augen bedingten Störungen schafft man die Voraussetzung für ein scharfes und anstrengungsfreies Sehen, so dass sich die Kinder und Jugendlichen mit einer Lese- Rechtschreibstörung/Rechenstörung besser auf die Bewältigung ihrer Aufgaben konzentrieren können. Eine zentrale Verarbeitungsstörung wie die Lese/Rechtschreib-, Rechenstörung kann durch keine Brille behoben werden. Wenn allerdings zusätzlich augenbedingte Störungen vorliegen, kann eine entsprechende Brille die Schwierigkeiten deutlich mindern. Aber nicht immer ist eine Brillenkorrektion sinnvoll. Die orthoptische Behandlung sollte immer die individuellen Besonderheiten der betroffenen Kinder berücksichtigen und ausführlich mit den Eltern besprochen werden. Eine Amblyopie (Sehschwäche eines Auges) bedingt keine Legasthenie und ist mit ihr nicht gleichzusetzen. Sie bedarf einer speziellen orthoptischen Therapie (Ausgleich eines evtl. vorliegenden optischen Brechungsfehlers und „Trainieren“ des schwächeren amblyopen Auges durch Okkludieren, d. h. Zukleben des stärkeren Auges). Eine Legasthenie kann aber zusammen mit einer Amblyopie bestehen –beide Krankheiten müssen dann behandelt werden.

Anmerkungen zur Behandlung der Legasthenie/Dyskalkulie:

Gerade in der Thematik der Lese-Rechtschreib- Schwäche/Rechenschwäche wird werbetechnisch oft sog. Informationsmaterial an die Eltern herangetragen, welches einen Erfolg bei der Überwindung der Legasthenie/Dyskalkulie verspricht, wofür es aber wissenschaftlich keine Belege gibt. (Dazu gehören die Prismenbehandlung bei Winkelfehlsichtigkeit mit der Mess- und Korrektionsmethodik nach Hans-Joachim Haase (MKH), Blicktraining mit dem FixTrain-Gerät, Rasterbrille und Farbfilter nach Helen Irlen). Betroffene Kinder und Jugendliche nennen die deutlich verlangsamte Lesegeschwindigkeit und die Unfähigkeit, so schnell und richtig wie die anderen lesen und einen Text erkennen zu können, als sehr unangenehm. Um nicht weiter in ihrer Lese- und Schreibfähigkeit zurückzufallen, sollten sie regelmäßig täglich motivierend üben. Dabei obliegt Art, Inhalt und Umfang dieser Therapie den zertifizierten Lerntherapeuten. Wichtig bei der umfangreichen und fachgerechten Diagnosefindung einer tatsächlich bestehenden Legasthenie/Dyskalkulie ist die Zusammenarbeit der betreuenden Orthoptistinnen mit den Kinder- und Jugendärzten, Pädaudiologen und HNO-Ärzten sowie mit Kinder- und Jugendpsychiatern. Nach eingehender, interdisziplinärer Ursachenanalyse kann eine adäquate Therapie (Lerntherapeuten, Psychologen, Ergotherapeuten, Logopäden) begonnen werden. Ungezieltes Therapieren in Unkenntnis vieler Aspekte und auch des Gesundheitszustandes der Kinder kann zwar zunächst vereinzelt erfolgreich erscheinen, wird aber der Gesamtproblematik nicht gerecht. Aus diesem Grund ist die interdisziplinäre ärztliche und medizinisch-therapeutische Diagnostik und Behandlung wichtig, um den psychischen und physischen Entwicklungsprozess der betroffenen Kinder zu unterstützen.

Anschriften für weitere Informationen:

Kreisel e. V.
Institut für Weiterbildung und Familienentwicklung
www.kreiselhh.de

Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie
www.bvl-legasthenie.de

Fachverband für integrative Lerntherapie e. V.
www.lerntherapie-fil.de

LEGAKIDS
www.legakids.net

Onlinesehtest bei Kindern

Wie gut sieht mein Kind? Eine Frage, die sich nicht nur Eltern von Schulkindern stellen sollten. Anhand von spielerischen Aufgaben kann der neue Online-Sehtest einen ersten Eindruck über die Sehfähigkeit Ihres Kindes geben.

Hier geht es zum spielerischen Sehtest

Sehentwicklung des Kindes

Auch Sehen muss gelernt werden

Direkt nach der Geburt steckt die Entwicklung des Sehens praktisch noch in den Kinderschuhen – Babys müssen das Sehen erst lernen. Das Scharfstellen und die Koordination der beiden Einzelaugen funktioniert noch nicht, weil das Gehirn erst lernen muss, mit den vielen neuen, farbigen und beweglichen Informationen umzugehen. Deshalb kann es auch sein, dass Kleinkinder in den ersten Lebenswochen manchmal schielen.

1. Tag

Beginn für Sehschärfe und Amblyopie

2. Woche

Kontrastwahrnehmung

4. Woche

stabile Augenstellung und die beiden Seheindrücke vom rechten und linken Auge werden miteinander verschmolzen

6. Woche

werden bekannte Gesichter erkannt

7. Woche

Beginn des Binokularsehens

8. Woche

Bewegungswahrnehmung, Akkomodation, reaktives Lächeln

10. Woche

Stereosehen vorhanden

3. Monat

Gegenstände fixieren und greifen, entwickelt sich das Tiefensehen

5. Monat

das Schielen sollte weitgehend verschwunden sein

6. Monat

Farben erkennen

7. Monat

Greifen

1 Jahr

sollte die Sehschärfe des Kindes ca. 60-70% betragen

5 Jahre

mindestens 80% Sehschärfe

7 Jahre

Sehvermögen ist komplett ausgebildet

8-9 Jahre

Das Gesichtsfeld ist so weit entwickelt, dass zunehmend Verkehrstauglichkeit besteht

12 Jahre

Ende der sensiblen Phase für Sehschärfe und Amblyopie

Sehfunktionsprüfung

Optimales Sehen – die unbedingte Voraussetzung für eine altersgemäße Entwicklung Ihres Kindes

Bei der Sehfunktionsprüfung vermessen wir die Augen Ihres Kindes umfassend in ruhiger Atmosphäre, ungezwungen und ohne Zeitdruck. Mit unserem speziellen Kinderprüfmaterial macht es Klein und Groß sogar Spaß zu zeigen, was die Augen alles können!

Die Sehfunktionsprüfung gibt Aufschluss über folgende Funktionen des Einzelauges sowie des Augenpaares:

  • Augensteuerung
  • Sicherheit in der Ausführung von Blicksprüngen
  • Einstellfähigkeit auf unterschiedliche Entfernungen
  • Farbsehvermögen
  • Kontrastsehvermögen
  • Sehqualität in Ferne und Nähe
  • Räumliches Sehvermögen

Wir vermessen die optimalen Glasstärken für Ferne und Nähe und stimmen sie auf die individuellen Sehanforderungen des Kindes ab. Sollten sich während der Untersuchung Hinweise auf Koordinationsprobleme der beiden Einzelaugen (z.B. Winkelfehlsichtigkeit) ergeben, so wird das beidäugige Sehen (Binokularsehen) mit speziell dafür entwickelten Methoden und Geräten vermessen.

Abschließend führen wir eine mikroskopische Kontrolle der Augen durch und prüfen die Transparenz von Hornhaut und Augenlinse.

Die Ergebnisse werden von uns sorgfältig für Sie dokumentiert und stehen uns bei darauf folgenden Messungen als Basis zur Verfügung.

Im anschließenden Gespräch informieren wir Sie ausführlich über das Ergebnis der Sehfunktionsprüfung und beraten Sie gerne bei auftretenden Fragen rund um das Sehen Ihres Kindes.

  • wir bitten höflich um Terminvereinbarung unter 03961 212191
  • Zeitbedarf ca. 30 Min
Vorschul-Screening

Optimales Sehen - die beste Voraussetzung für eine altersgemäße Entwicklung Ihres Kindes

Die Augen Ihres Kindes sollten möglichst frühzeitig auf optimale Leistungsfähigkeit überprüft werden.

Deshalb bieten wir für Kindergarten- und Vorschulkinder ein spezielles Screening der Augen an.

Wir prüfen die Augen Ihres Kindes in ruhiger Atmosphäre, ungezwungen und ohne Zeitdruck. Mit unserem speziellen Kindertestmaterial macht es Klein und Groß sogar Spaß zu zeigen, was die Augen alles können!

Dieses Screening umfasst folgende Punkte:

  • Augensteuerung
  • Sicherheit in der Ausführung von Blicksprüngen
  • Einstellfähigkeit auf unterschiedliche Entfernungen
  • Farbsehvermögen
  • Kontrastsehvermögen
  • Sehqualität in Ferne und Nähe
  • Räumliches Sehvermögen


Anschließend besprechen wir mit Ihnen die Testergebnisse und beraten Sie gerne, falls Auffälligkeiten festgestellt wurden.

Was ist Kinder-Optometrie?

Die Kinder-Optometrie befasst sich mit der Entwicklung des Sehens, ihren Abweichungen und deren Auswirkungen im täglichen Leben.

Defizite in der Sehverarbeitung können bei Kindern Verzögerungen in vielen anderen Bereichen der Entwicklung zur Folge haben.

Der Kinder-Optometrist arbeitet in einem Netzwerk mit verschiedensten Fachpersonen anderer Disziplinen zum Wohle des Kindes zusammen z.B. Kinderärzten, Psychiatern, Neurologen, Psychologen, Logopäden, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Heilpädagogen, Lehrern und Erziehern.

Für die Überprüfung der Sehfunktionen eines Kindes nimmt sich der Kinder-Optometrist genügend Zeit und erarbeitet gemeinschaftlich mit dem Kind auf spielerischer Art in angenehm ungezwungener Atmosphäre die verschiedenen Tests und resultierend daraus die Korrektionswerte.

Auffälligkeiten wie häufiges Augenreiben, Verträumtheit, Leseunlust, Kopfschmerzen, Ungeschicktheit beim Ball fangen sind nur einige der Anzeichen für eventuelle Sehprobleme.

Defizite in der Sehverarbeitung können bei Kindern Verzögerungen in vielen anderen Bereichen der Entwicklung zur Folge haben.

Bitte vereinbaren Sie einen Termin unter 03961 212191

Was ist Sehen?

Sehen ist ein sehr komplexer Vorgang. Licht, das auf die Augen trifft, wird durch Hornhaut und Augenlinse gebrochen und auf die Netzhaut gelenkt. Die Netzhaut wandelt das Licht in Nervenströme um, welche via Sehnerven ins Gehirn weitergeleitet werden.

Diese Nervenimpulse werden in verschiedensten Teilen des Gehirns klassifiziert, identifiziert, beurteilt und weiter verarbeitet. Dabei werden Seheindrücke auf Erfahrungswerte geprüft und mit anderen Sinneseindrücken (Geschmack, Geruch, Tönen und Empfindungen) verglichen. Neue Eindrücke werden sorgfältig archiviert und über den Verstand zu neuem Wissen aufgearbeitet. Damit die Augen diese Bilder richtig aufnehmen können, müssen sich die Augen erst einmal genau ausrichten und auf die genaue Entfernung scharf einstellen. Diese beiden Vorgänge müssen gleichzeitig und so mühelos wie möglich erfolgen, um schnelle und fortgesetzte Anpassungen zu ermöglichen. Dieses Zusammenspiel ist komplex und empfindlich.

Für optimales Sehen sind also verschiedene Elemente sehr wichtig:

  • Die Aufnahme über die Augen
  • Die Weiterleitung über die Sehnerven
  • Die Verarbeitung im Gehirn
  • Die genaue und ruhige Ausrichtung beider Augen auf das angesehene Objekt
  • Die genaue und andauernde Scharfeinstellung auf das angesehene Objekt
  • Eine gute Organisation und Struktur in der Archivierung der Seheindrücke
  • Ein schneller und sicherer Zugriff auf die gespeicherten Seheindrücke